ZUM SCHMÖKERN

Jubiläumsjahr 2007

Ein Orchester mit Pfiff

Moderner Spielmannszug des TSV wird 50 Jahre alt

 

LAUF — Der Moderne Spielmannszug des TSV Lauf begeht heuer sein 50-jähriges Bestehen. Heute Abend um 19 Uhr wird dies erstmals mit einer großen Marching-Show am Laufer Marktplatz gefeiert. Ein Blick in die bewegte Chronik des Vereins zeigt die Entwicklung vom traditionellen Spielmannszug hin zur modernen Marching-Band.

Chronik
Ein Foto aus dem Gründungsjahr 1957.
Damals war die Uniform noch weiß und die
Besetzung des Spielmannszugs ausschließlich
männlich. 1963 traten die ersten Mädchen bei.
Fotos: Archiv Spielmannszug.

Im Januar 1957 gründete der 1. Vorsitzende des TSV Lauf, Hans Gumann, die neue Abteilung "Spielmannszug". Gegen große vereinsinterne Widerstände und Vorbehalte, aber dank der unnachgiebigen Haltung von Herbert Bogunewski gelang es, im reinen Sportverein einen Fanfarenzug mit 23 Spielleuten auf die Beine zu stellen. Herbert Bogunewski übernahm die Stabführung und steuerte das zur Beschaffung von Fanfaren, Marschtrommeln, Becken und einer Lyra notwendige Geld bei. Die meisten Spielleute hatten keine Notenkenntnisse. Es wurde zunächst nur nach Gehör gespielt. Das sollte sich erst zehn Jahre später ändern: Der Spielmannszug organisierte sich im "Landesverband der Turnerspielleute Bayern". Dies war auch der Grund dafür, dass die Musikergruppe über zwei Jahrzehnte gänzlich in Weiß gekleidet in der Turneruniform auftrat. Bereits im Jahr 1963 schlossen sich vier Mädchen dem Fanfarenzug zum Aufbau einer Flötengruppe an. Dies sorgte beim Kunigundenfest 1964 für viel Aufsehen, denn weibliche Mitglieder gehörten damals nicht zum gewohnten Erscheinungsbild eines Musikzuges. Im jetzigen Spielmannszug überwiegen die weiblichen Mitglieder sogar bei weitem. Acht Tage vor dem Kunigundenfest 1967 stand die Kreisstadt Lauf gänzlich im Zeichen der Spielmannsmusik. Anlässlich des zehnjährigen Jubiläums bevölkerten über 500 Spielleute aus ganz Bayern den Marktplatz. Die einwöchige Veranstaltung war der Startschuss für den ersten grundlegenden musikalischen Umbau des Fanfarenzuges. Aus dem Überschuss der Jubiläumsveranstaltung und aus Privatmitteln der Spielleute wurden Blasmusikinstrumente und Alt- und Tenorflöten beschafft. Zwangsläufig mussten nun auch Noten angekauft werden, was zu einer deutlichen Verbesserung des Niveaus führte.

Chronik
Georg "Schorsch" Winter dirigiert den Modernen
Spielmannszug schon seit 1972. Auf dem Foto
die Spielleute in den Marching-Band-Uniformen,
wie sie sie heute tragen.

Dank des großen Zulaufs an Schülern und Jugendlichen bestand der Spielmannszug 1972 aus 70 aktiven Musikern. Im selben Jahr kam es jedoch zu einem Bruch innerhalb der Abteilung und Auflösungserscheinungen machten sich breit. Engagierte Mitglieder wollten den Spielmannszug aber nicht sterben lassen. Franz Lewand als Ausbilder und der junge Schorsch Winter übernahmen die Führung der Musikabteilung des TSV Lauf. Schorsch Winter legte als erst 18-Jähriger den Dirigentenlehrgang mit Erfolg ab und übernahm die Stabführung. Es wird vermutet, dass er seinerzeit einer der jüngsten Dirigenten Bayerns war. Schnell war verlorenes Potenzial wieder aufgeholt und das musikalische Niveau konnte nochmals deutlich verbessert werden. Bereits 1974 überraschte die Flötengruppe des Spielmannszuges bei der 600-Jahr-Feier des Glockengießerspitals mit südamerikanischen Rhythmen.

Im Jahr 1975 war der TSV Lauf maßgeblich an der Gründung des Landesverbandes für Spielmannswesen in Bayern e.V. (LSW) beteiligt und ist seitdem Mitglied dieser Vereinigung, deren Ziel es ist, bayerische Vereine leistungsmäßig zu stärken, und die sich bis heute um die Ausbildung von Musikern kümmert. Im Jahr 1977 fand die 2. Landesmeisterschaft des LSW Bayern e.V. in Lauf statt. Viele tausend Zuschauer waren begeistert dabei. Seither nahm der Spielmannszug des TSV Lauf bis weit in die 90-er Jahre an den Bayerischen Meisterschaften teil und erreichte zahlreiche erstrangige Platzierungen. Im Jahr 1997 wurden letztmals die Bayerischen Meisterschaften in Lauf ausgerichtet. Das so genannte "Zeltlager" wurde 1976 ins Leben gerufen und hat sich längst etabliert. Es handelt sich dabei um eine einwöchige Veranstaltung, in der sich die Spielleute seit 1991 in die Abgeschiedenheit des Grafenbucher Forstes zurückziehen, um sich gemeinsam intensiv weiterzubilden.

Ebenfalls 1977 konnte die fast in Vergessenheit geratene Hämmernkirchweih wieder zum Leben erweckt werden und ist zum festen Bestandteil des jährlichen Veranstaltungskalenders in Lauf zu zählen. Unter der Regie von Hans-Dieter Zantop, Ehrenvorsitzender des TSV, wurden das Drehbuch und die Eidesformel für den Rußigen-Aidt geschrieben. Honoratioren der Stadt Lauf, angefangen beim 1. Bürgermeister, stellten sich immer als Hauptdarsteller zur Verfügung. Die "Hämmern" ist ureigenste Aufgabe der Spielmannszug-Abteilung geworden.

Endlich, im Jahre 1978, konnte das Outfit gewechselt werden. Die weißen Turneruniformen hatten ausgedient und wurden durch historisch angehauchte "Fantasieuniformen" ersetzt. Erstmals durfte im Jahr 1982 das Altstadtfest vom Spielmannszug ausgerichtet werden. Weitere Altstadtfeste unter der Regie der Spielleute folgten. Eine der vielfältigen Aufgaben des Spielmannszuges wurde mit der Zeit auch die Vertretung der Stadt Lauf als einer ihrer "Musikalischen Botschafter".

Chronik
Der damalige Bayerische Ministerpräsident
Franz Josef Strauß bedankte sich 1987
im Rahmen der SBahn- Eröffnung persönlich
bei den Laufer Spielleuten, die von
1978 bis 2003 in den historischen
Landsknechtkostümen aufgetreten waren.

Am 26. September 1987 eröffnete die S-Bahnlinie von Lauf nach Nürnberg. Vor hochrangigen, prominenten Persönlichkeiten, darunter Ministerpräsident Franz Josef Strauß, bestritt der Spielmannszug das Rahmenprogramm. 1990 gastierten die Spielleute eine Woche lang im italienischen Capolona.

Am 17. November 1992 fand im Übungsraum an der Röthenbacher Straße die Gründungsversammlung für den "Musikförderverein Lauf e.V." statt. Wie der Name schon sagt, dient der Verein der Förderung von Musikgruppen und -kapellen aus Lauf. Mitglieder sind die Haberloher Blasmusik des TV 1877 Lauf e.V., die Musikfreunde Lauf e.V., der Musikverein Lauf e.V. und der Moderne Spielmannszug des Turn- und Sportverein Lauf e.V.

Im Großen und Ganzen wurden die 90-er Jahre zur leistungsmäßigen Konsolidierung und Etablierung des Spielmannszuges als Institution genutzt. Das Hauptaugenmerk galt und gilt permanent der musikalischen Ausbildung von Schülern und Jugendlichen.

Nach vorsichtigen Schätzungen wurden seit 1971 etwa 700 bis 800 Musiker herangebildet.

Seit dem Jahr 2001 verfügt der Spielmannszug über optimale räumliche Übungsstätten.

Mit dem Turnhallenneubau wurden gleichzeitig notwendige, großzügige Räumlichkeiten geschaffen. Ein Kraftakt des Gesamtvereins, dessen Folgen sich noch längere Zeit in den Haushaltsplänen niederschlagen werden.

Praktisch zum Wechsel ins neue Jahrtausend sorgten neue und teils revolutionäre Ideen der Spielleute für Unruhe. Stimmen nach musikalischer Neuausrichtung und neuem Erscheinungsbild wurden laut und konnten sich letztlich auch durchsetzen. Der Spielmannszug verließ im Jahr 2002 sein herkömmliches, standardmäßiges Programm und stellte sein Repertoire komplett auf Marchingmusik um. Eine Entscheidung, die sich nachträglich als richtig erwies, aber den Aktiven höchstes Engagement abverlangt.

Chronik
Die Cheerleader unterstützen die Musiker
inzwischen bei vielen Auftritten.

Beim "etwas anderen Konzert" im Jahr 2002 wurde die neue Richtung erstmals ansatzweise vorgestellt. Die nun nicht mehr zur Musikrichtung passende historische Uniform wurde im Jahr 2003 durch die rotschwarze Ausstattung ersetzt. Dies war nur dank der fast unglaublichen Unterstützung vieler Freunde und Gönner möglich. Gleichzeitig erfolgte die Namensänderung in "Moderner Spielmannszug TSV Lauf", kurz MSZ. Zeitgleich und parallel dazu wurde die Tanzgruppe der Cheerleader gegründet. Beim Großkonzert "Musik in Bewegung" 2005 auf dem Marktplatz Lauf gelang der endgültige Durchbruch. Ausdruck der neuen Linie ist außerdem die im Jahr 2006 produzierte CD "Celebration" In diesem Jahr feiert der Moderne Spielmannszug des TSV Lauf nun sein 50-jähriges Bestehen. Gefeiert wird dies erstmals mit der großen Show heute Abend um 19 Uhr auf dem Marktplatz unter dem Motto "We will rock you". Sieben Monate lang haben die Proben dafür gedauert. Ausschnitte des Programms werden nochmals am 30. Juni im Anschluss an die Hauptprobe zum Kunigundenfest präsentiert. Die Hämmernkirchweih steht am 15. und 16. September 2007 ebenfalls ganz im Zeichen der Jubiläumsfeierlichkeiten.

Was bietet der MSZ?

Die Ausbildung der Spielleute beinhaltet auch das Marchingtraining, ein spezielles Formationslaufen während des Musizierens. Dieses Lauftraining erfolgt auf dem Fußballfeld oder in der Halle. Jeder aktive Musiker absolviert im Jahr etwa 70 Übungseinheiten und zwischen 40 bis 50 Auftritte. Daneben finden noch Workshops und diverse Sonderveranstaltungen statt.

Teilweise leisten die Musiker Schwerstarbeit. Einzelne Trommeln samt Gestell wiegen 13 Kilogramm. Das Sousaphon lastet mit zehn Kilogramm auf den Schultern. Allein durch Schwitzen verlieren manche Spielleute bei Auftritten bis zu sechs Pfund an Körpergewicht.

Etwa 20 verschiedene Arten von Musikinstrumenten werden beim MSZ gespielt. Es wird unterschieden nach Blech, Holz und Percussion. Allein beim Holz gibt es sieben unterschiedliche Instrumente.Fanfaren sucht man im Spielmannszug inzwischen jedoch vergeblich.

Die "Rasselbande" sind Kindergartenkinder ab einem Alter von drei Jahren. Spielerisch werden ihnen die Grundlagen einer musikalischen Früherziehung vermittelt. Im Vorschulalter lernen sie erste Noten. Die "Rasselbande" begleitet die Marchingband bei vielen Festzügen. Der Moderne Spielmannszug will damit auch deutlich machen, dass Nachwuchsarbeit die Basis und die Garantie für ein lebendiges Vereinsleben ist und deswegen zu seinen wichtigsten Aufgaben zählt. Alle Ausbilder holen sich regelmäßig neue Ideen und Anregungen bei anerkannten Musikpädagogen.

Die "Pee Wees" sind keine exotisch anmutenden Früchte, sondern die Nachwuchsgruppe der Cheerleader. Die Cheerleader begleiten den Spielmannszug bei großen Auftritten. PeeWee kann man ab einem Alter von sechs Jahren werden.

Die Internetseite des Modernen Spielmannszuges www.marchingband-lauf.de wird monatlich von über 2000 Interessenten besucht und die Zugriffzahlen steigen weiter.

Namen und Zahlen

Musikalischer Leiter des MSZ: Schorsch Winter. Aktive Spielleute im Spielmannszug: 50 Mitglieder. In musikalischer Ausbildung: 40 geprüfte Ausbilder. Im aktiven Einsatz: 20. Abteilungsleiter: Georg Lage. Stellvertretende Abteilungsleiter: Hannelore Merkl, Schorsch Winter. Kassiererin: Hannelore Merkl. Schriftführerin: Marion Bourboulis. Ständige Ämter innerhalb der Abteilung Moderner Spielmannszug: Instrumentenwarte, Notenwarte, Uniformwarte, "Erste-Hilfe-Stelle" Instrumente und Trommeln, Internet und EDV, Fotografen, Herstellung von Video-Clips, CD-Verkauf, BetreuerTeam und Fachbereich Küche, Vergnügungsausschuss, MSZ-Stammtisch, Organisationsteam Hämmernkirchweih, Zeltlager Küchenteam, Vertretungen im Hauptverein, Jugendrat, Kreisjugendring, Musikförderverein, Cheerleaderkontakte und -betreuung, Cheerleadertrainer, Arbeits- und Projektgruppen.

ANTON HENSEL

 

Link Download als pdf-Datei (1.828 KB)


Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung des Herausgebers:
(Ausgabe vom 12.05.2007)

 

top

 

back Zurück zur Übersicht der Presseberichte