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ZUM SCHMÖKERN

Hämmernkirchweih 2008

Hintergründe des historischen Aufzuges "Rußigen Aidt"

Arbeits- und Verteidigungstruppe

 

Die Rußigen schwören ihren Aidt

Die Laufer Bürger waren, wie damals üblich, ihren jeweiligen Grundherren zur Kriegsfolge verpflichtet, doch hatte man die Kriegsdienste so gering angesetzt, dass sich bestenfalls die Stadt, keinesfalls aber die außerhalb des Mauerringes liegenden Mühlen und Hämmer verteidigen ließen. Mühlen und Hämmer mussten, weil sie Burglehen waren, von der Burg aus geschützt werden. Die Burgbesetzung war jedoch zahlenmäßig zu gering, um eine wirksame Verteidigung zu garantieren, deshalb griff man auf die Arbeiterschaft in den Hämmern zurück.

Die Rußigen, wie man sie nannte, wurden zu Kriegs- und Verteidigungsdiensten verpflichtet.

Der Begriff "Rußige" taucht erst Mitte des 16. Jahrhunderts auf, doch darf man annehmen, dass sie aufgrund der bereits lange vor dieser Zeit bestehenden Hämmer früher schon in gleicher Aufgabe tätig waren.

Im Laufer Pflichtbuch aus dem Jahre 1738 findet sich eine genaue Aufstellung der Obliegenheiten in Form eines Eides, den die Rußigen bei ihrer Anstellung zu schwören hatten. Sie mussten dem Laufer Pfleger, als Vertreter der Nürnberger Obrigkeit, geloben, zu "allen und jeden Zeiten", "so tags, als nachts" auf ein Zeichen hin für den Pfleger ihren Waffendienst anzutreten. Ferner mussten sie sich verpflichten, Gewehr und Munition in Ordnung zu halten und keinesfalls damit wildern zu gehen. Damit die Versuchung, das Gewehr für andere als die vorgesehenen Verteidigungsaufgaben zu gebrauchen, nicht allzu groß war, hatte man die Rußigen angehalten, das Gewehr beim Meister oder in einem dafür bestimmten Ort nach jedem Einsatz abzuliefern. Es sollte jedoch wenigstens einmal die Woche auf seine Funktionstüchtigkeit hin überprüft werden. Anstatt zu Abgaben oder Steuern waren die Rußigen nur zu symbolischen 10 Pfennig an die Herrschaft zu Pfingsten verpflichtet. Offensichtlich hatte man sie aufgrund ihres militärischen Dienstes von anderen Abgaben befreit. Die Rußigen waren so sehr ins Verteidigungskonzept der Nürnberger Herrschaft einbezogen, dass ein Rußiger, der seinen Arbeitsplatz wechseln wollte, den Pfleger um Erlaubnis bitten musste.

Die Hauptaufgabe der Laufer Rußigen war jedoch trotz aller Verteidigungsaufgaben die Arbeit in den Hammerwerken. Die Arbeit war nicht leicht, zudem stark vom Wasser abhängig. Bei Niedrigwasser oder Hochwasser konnte nicht gearbeitet werden, die ausgefallene Zeit musste jedoch wieder aufgeholt werden.

Die normale Arbeitszeit lag bei 12 bis 15 Stunden täglich, sechs Tage pro Woche; damit kommt man auf eine Wochenarbeitszeit von mindestens 72 Stunden. Von Seiten der Arbeiter wurde diese extrem lange Arbeitszeit auf mannigfaltige Art und Weise verkürzt. So schätzt man, dass etwa zwei- bis dreistündige Pausen pro Tag und die zahlreichen kirchlichen Feiertage (Marien-, Apostel-, Namenstage) die reale Arbeitszeit doch um einiges reduzieren halfen. So dürfte die Arbeitszeit bei etwa 50 – 60 Stunden an durchschnittlich fünf Tagen pro Woche gelegen haben.

Gefertigt wurden in den Hammerwerken in Lauf vor allem Bedarfsartikel (Werkzeuge) verschiedener Art für Landwirtschaft und Haushalt, aber auch Waffen sowie Eisenstäbe und Schienen zur Weiterverarbeitung.

 

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